Ganztagsschulverband e.V.
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Sie sind hier: Bundesverband >> AktuellesPressemitteilung vom 29. Februar 2016

Ganztagsschulen sind dazu in der Lage durch den erweiterten zeitlichen Rahmen für mehr Chancengleichheit und individuelle Förderung zu sorgen. Aber, so formuliert es Jasmin Decristan, Psychologin und Mitglied der Autorengruppe der Schulleiterbefragung 2015 in StEG: „…wir wissen, dass das Lernen an der Ganztagsschule nicht pauschal bedeutet, dass sich die Leistungen verbessern. Die hängen immer von der pädagogischen Qualität der Schule ab.“ Schon seit Jahren mahnt der Ganztagsschulverband die Bildungspolitik, dass der bevorzugte Fokus auf der Ausweitung der Betreuungsmöglichkeiten für Schulkinder den realen Bedürfnissen der Familien und der Wirtschaft auf eine Verbesserung der Bildung nicht entspricht. Der Ganztagsschulverband warnt: Wir sind bedauerlicherweise auf dem Weg in eine „Betreuungsrepublik“. Kinder brauchen aber in erster Linie Bildungsanregungen und Bildungschancen, sie brauchen Zeit für den Wechsel von Anspannung und Entspannung und dazu in der Schule eine professionelle Begleitung. Sie nach dem stressigen Schulvormittag bis in den Abend zu betreuen entspricht in keiner Weise den offensichtlichen Anforderungen für eine optimale Ausbildung.

So wird aus der Schulleiterbefragung zwar deutlich, dass die Bildungsmöglichkeiten durch die Ganztagsschulentwicklung der letzten 12 Jahre etwas reichhaltiger wurden und ebenso die Kostenbeteiligung der Eltern zum Ganztag nicht wesentlich ausgeweitet wurde. Aber die Vielfalt der Ganztagsschulkonzeptionen sei mittlerweile unüberschaubar. Die zentralen Ziele der KMK aus dem Jahr 2003, die konzeptionelle Verbindung zwischen dem Unterricht des Vormittags mit dem des Nachmittag und die Ausweitung und Verbesserung der fachbezogenen Lerngelegenheiten, drohen auf der Strecke zu bleiben. So bestünde (lt. StEG-Mitteilung) die latente Gefahr, dass Ganztagsschulen auf ihre zusätzlichen Betreuungszeiten reduziert würden und pädagogisch motivierte Ziele (Chancengleichheit und verbesserte individuellere Lerngelegenheiten) aus dem Blick geraten.
Wasser auf unsere Mühlen erhalten wir auch durch die aktuelle Nachhilfestudie der Bertelsmannstiftung. Dem interessierten Leser der Studie wird sehr schnell klar, dass das, was wir in Deutschland mit dem Stichwort Bildungsrepublik verbinden, nämlich die verbesserte Ausschöpfung der Bildungsressourcen unabhängig von der sozialen Herkunft am ehesten durch echte Ganztagsschulen erreicht werden kann. Die sozial besser gestellten Kreise haben weitaus mehr Möglichkeiten ihren Nachwuchs mit bezahlter Nachhilfe zu fördern. Prof. Dr. Klemm von der Bertelsmannstiftung formulierte es im Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 28.1.2016 so: “Es gibt aus meiner Sicht viele gute Gründe für Ganztagsschulen, dazu gehört auch das Förderpotenzial, da man gut individuelle Nachhilfe einbauen kann. … Das ist meine Vorstellung von Schule. Die Fachkompetenz außerhalb des regulären Unterrichts müsste über Steuern finanziert werden und das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern müsste aufgehoben werden.“

Wir vom Ganztagsschulverband mahnen erneut, mit einer um die nachmittäglichen Betreuungsmöglichkeiten erweiterten Halbtagsschule können die allseits bekannten Bildungsdefizite in Deutschland nicht abgebaut werden.

29.02.2016, Rolf Richter, 1. Vorsitzender Ganztagsschulverband. e. V.

 

Weitere Informationen:

StEG-Schulleiterbefragung: http://www.projekt-steg.de/ticker

Bertelsmann-Nachhilfestudie: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2016/januar/eltern-geben-jaehrlich-rund-900-millionen-euro-fuer-nachhilfe-aus/

Ganztagsschulverband e. V. : http://www.ganztagsschulverband.de


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